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Rudolf Budja Galerie
Press Release
Jeannette Handler: Die Ästhetik im Wiener Aktionismus
2005-11-16
Schönheit und Aktion - "Heiliger Frühling" - Rudolf Budja Galerie / Artmosphere Wien zeigt von 13. Dezember 2005 bis 28. Januar 2006 Jeannette Handlers ästhetische Kamerablicke auf Otto Mühl.

Hervorragend dokumentierte Epochen und Ereignisse der Kunstgeschichte fördern die Illusion lückenloser Erfassung und Aufarbeitung historischen Materials. Der Glaube der Nachwelt, alle bedeutenden Phänomene in ihren Zusammenhängen zu kennen stellt sich spätestens dann als Trugbild heraus, wenn unvermutet neue, bisher ganz im Dunkel von Zufallsumständen verborgene Werke zu Tage treten.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die korrigierende Strahlkraft bisher unbekannter Kunstwerke ist das Auftauchens eines geschlossenen fotografischen Werkkomplexes, der dem scheinbar ganz durchleuchteten Wiener Aktionismus eine neue Facette hinzufügt. Der Rudolf Budja Galerie ist mit der Entdeckung von Jeannette Handlers Lichtbild-Serie über eine privat inszenierte Aktion des umstrittenen, von Sozialutopien geradezu besessenen Lebens- und Kunst-Experimentators Otto Mühl ein sensationeller Coup gelungen. Nur für das Kamera-Auge der Wiener Mode- und Werbe-Fotografin ließ Mühl zwei seiner Kommunarden einen Liebesakt unter besonders theatralischen Gegebenheiten vollziehen. Vor amethystfarbenen, gleichsam halbsakralen Draperien koitierten ein "Adams-Mann" und eine "Eva-Frau" in weißer, gleichsam "unschuldiger" Farbverhüllung. Für den orgiastisch-koloristischen Touch sorgte buntes Bestreumaterial, wie man es in artistisch begabten Zuckerbäckerstuben zu Zierde von Torten und Kuchen einsetzt.

Insgesamt existieren im Archiv der einst im Wiener Fotostudio Skrein aktiven, auch als Reportage-Spezialistin und durch Modedesign bekannt gewordenen Künstlerin hundert Hasselblad-Diapositive, aus denen Jeannette Handler für die Ausstellung ca. 20 Arbeiten gewählt und in verschiedenen Formaten bis zu einer Größe von 180 x 120 cm auf Aluminiumsträger aufgebracht und zum Teil hinter Akrylglas platziert hat. Entstanden ist eine berauschend schöne, mythisch angehauchte, hocherotische Fotoserie, die man in der Tradition des Wiener Jugendstils sehen und mit "Heiliger Frühling" übertiteln könnte.

Jeannette Handlers sowohl im Format, als auch in der sensiblen farblichen Nachbearbeitung ungewöhnlichen Bild-Bezeugungen einer einst verteufelten Kunstrevolution sind Dokumente einer rehabilitierten Kunstauffassung und zugleich zeitgenössische Arbeiten. Sie lassen den unaufgelösten Widerspruch zwischen aktionistischer Vollzugs-Dramaturgie und bildlicher Fixierung spüren. Auf den Konflikt zwischen unmittelbarer, anarchisch freier Tätigkeit und den ästhetischen Aspekten der fotografischen Manipulationsarbeit wollte kein noch so wild agierender Aktionist verzichten. In der Fotografie wussten sich die Grenzverwischer zwischen Kunst und Leben letztlich doch am besten aufgehoben.

Jeannette Handlers Begegnung mit Otto Mühl von 1970 ist ein exquisiter Einzelfall geblieben. Sie hat später immer wieder Wiener Kunstprominenz unter anderem auf Anregung Andre Hellers fotografisch porträtiert. Was die Hinterlassenschaft ihrer "Mühl-Session" betrifft, deklariert sich Handler als Malerin und Skulpteurin. Der Geruch des Lebens, der puren sexuellen Vitalität verfliegt und weicht dem Eindruck eines gemeißelten und farbig gefassten Bildwerks. Das Künstliche tritt absolut in den Vordergrund und erzeugt eine interessante Spannung zu den ursprünglichen Intentionen der aktionistischen Agitatoren.

Text: Dr. Anton Gugg

Dates & Facts:
JEANNETTE HANDLER:
Die Ästhetik im Wiener Aktionismus
Rudolf Budja Galerie / Artmosphere Wien
Vernissage: 13. Dezember 2005, 19 Uhr
Dauer der Ausstellung: 14. Dezember 2005 bis 28. Januar 2006
Dienstag bis Freitag 11.00-19.00 Uhr, Samstag 10.00-13.00 Uhr

Rudolf Budja Galerie / Artmosphere Wien
Galerie im Palais Kinsky
A-1010 Wien, Freyung 4
Tel: +43/1/533 98 58
email: wien@artmosphere.at
www.artmosphere.at

Für weitere Presseinformationen & -termine kontaktieren Sie bitte:
Mag. Christian Gschwandtner
Rudolf Budja Galerie / Artmosphere Galerien GmbH Austria
Tel: +43/1/5339858
Mob: +43/650/3101007
E-Mail: gschwandtner@artmosphere.at
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